Paper Berlin

Vor ein Paar Jahren habe ich in Europa Center einen schönen Berlin-Stadtplan gekauft. Der hing an der Wand und Schmückte den Wohnzimmer bis eines tages der Umzug kam. Dabei zerbrach dir Glasscheibe des Rahmen, den ich mir extra für den Poster gekauft haben, und der neben bei teuerer war als der Poster selbst. Ohne Rahmen landete der Stadtplan auf dem Regal, bis es eines Tages mein heranwachsender Sohn endekt hat. „Knirrrrsch“ hat es nur gemacht und Berlin auf Papier war um ein Dutzend Straßen ärmer geworden. Der ruinierter Poster lag Jahrelang in der Schublade neben ungelesenen Bedienungsanleitungen und ausgetrockneten Filzstiften, bis es der Putzteufel über mich kam. So hielt ich den Poster wieder in der Hand. Für ein oder anderes Foto bist du noch gut, dachte ich mir, schließlich ist es nur eine Ecke, die fehlt. Schnell noch ein passendes Objekt gefunden und schon bald wurde dieses Lichtbild fertig!

In dem Wiesenpark, der gleich gegenüber dem Erholungspark Marzahn (berühmt für seine Gärten der Welt) liegt, wenn das Wetter gut ist, lassen zahlreiche Besucher, die meisten davon sind Anwohner, ihre selbst gebastelte und  gekaufte Drachen steigen. Viele gehen dabei mit maximaler Gründlichkeit an die Sache ran, sie bringen gleich mehrere Drachen mit, lassen sie nach einander hoch in die Luft steigen, dann falten ihre Campingstühle aus und beobachten mehrere Stunden lang, wie ihre bunte Kreaturen über den Wind herrschen. Die Drachen haben verschiedene Größen und Formen, manche sehen wie richtige Flugzeuge aus, die anderen wie Gleit- und Fallschirme. 

Es ist interessant zu beobachten, die zahlreichen Techniken, die verwendet  um einen Drachen in die Luft zu kriegen. Anfänger (meistens sind es die Kinder)  versuchen es mit Rennen, fast immer vergeblich, sobald man zum stehen kommt, fällt auch der Drache zum Boden. Schon etwas Erfahrene ziehen energisch an der Schnur und versuchen das Wind zu fangen, nach einigen mühevollen Minuten klappt es.. oder auch nicht. Die Profis gehen dabei ganz gelassen ran, ein paar Handbewegungen und der Drache  ist hoch in dem Himmel. Ganz besonders hat sich der Drachen mit der Berliner Landesflagge gezeigt, der schien von seinem Herrchen ohne Aufsicht gelassen, bloß an einem Pfosten angebunden. Er musste alleine mit dem Wind kämpfen, in einer nicht allzu großer Höhe, und oft wenn seine Kraft nachließ, fiel er zum Boden, aber mit dem nächsten kräftigen Windstoß ging er wieder munter in die Luft, ohne jeglicher menschlicher Hilfe.