Dieses Foto wollte ich schon seit zwei Jahren machen. Das Gebäude, dass im Mittelpunkt der Komposition steht, war früher ein elf-stöckiges Hochhaus. Nach der Wende wurden die „Komfortwohnungen für Jedermann“ im Marzahn plötzlich nicht mehr attraktiv. Die Berliner zeigten den Rücken dem hässlichen Geschenk des Sozialismus (die Häuser sahen damals von Außen sehr klobig aus) und zogen in die schönere Gegenden um. Die Vermieter standen jetzt vor dem Problem, dass sie hunderte leere Wohnungen hatte, wo keiner wohnen mochte. Die Modernisierung und die Sanierung verbesserten die Lage, aber der Angebot war immer noch weit größer als die Nachfrage. Also wurden einige Plattenbauten komplett abgerissen und einige zurückgebaut. Aus elf Etagen wurden fünf, das fanden die Mieter wieder attraktiv.

Dieses Haus wurde zu einem Seniorenheim umfunktioniert. Damit die Rentner sich wohl fühlen, wurde die Seitenwand mit angesagten Musik- und Tanzstilen ihrer Jugend bemalt: Tango, Ballet und Jazz. Ich vermute, es soll die Bewohner dazu bewegen, „wie damals“ die Hüften zu schwingen. Da wir aber in dem 21. Jahrhundert leben und die Veteranen der vorheriger Epoche nicht mehr so fit sind, sollen den schwersten Part, den Ballet-Tanz, die humanoide Roboter abnehmen, daher sind sie auch zentrale Figuren des Bildes.

Durch den den gepflasterten Parkplatz davor wirkt das Ganze besonders surrealistisch: der Muster, den die Pflastersteine ergeben, erinnert an die Computergrafiken aus den Filmen der frühen 80-er. Es ist die Gitterstruktur, wie man es aus dem dem Film „Tron“ kennt.

Bisher war die schöne Komposition des Fotos durch parkende Autos gestört oder das Wetter hat nicht mitgespielt. Aber gestern hat sich das lange Warten gelohnt. Ich habe das Bild! Sogar mit einem Reisenden in der schönen surrealistischen Gitterwelt, wo Roboter und Rentner zusammen tanzen und die Musik hört nie auf zu spielen.

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